Ansteckung im Krankenhaus – Ein Behandlungsfehler?


Immer wieder und nicht erst seit COVID 19 die Medien beherrscht, sind Infektionen im Krankenhaus Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Für eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus „SARS-CoV2“ in einem Krankenhaus oder aber auch in einem Pflegeheim können daher die bisher entwickelten rechtlichen Grundsätze in Bezug auf eine Infektion im Krankenhaus herangezogen werden.

 

Voll beherrschbares Risiko?

Kommt es in einem Krankenhaus zu einer Infektion mit einem Keim oder Krankheitserreger, so kommt eine Anwendung der Regeln des sog. „voll beherrschbaren Risikos“ in Betracht. Von einem solchen ist auszugehen, wenn sich eine Gefahr verwirklicht hat, deren Verwirklichung durch Maßnahmen des Krankenhauses regelmäßig vermieden werden kann. Bei Einhaltung sämtlicher Hygieneregeln in einem Krankenhaus ist eine Infektion mit einem Keim oder Erreger regelmäßig vermeidbar, sodass es zu einer Haftung des Krankenhauses kommen kann.

 

Der Teufel steckt im Detail

Um so weit zu kommen muss der Patient nachweisen, dass es im Krankenhaus zur Infektion gekommen ist. Andere Infektionsquellen müssen ausgeschlossen sein. Hier wird das Krankenhaus regelmäßig einen Strauß an anderen potentiellen Infektionsquellen benennen, um aus der Haftung zu gelangen. Gelingt allerdings der Nachweis einer Infektion im Krankenhaus, muss das Krankenhaus den Beweis führen, dass sämtliche Hygieneregeln eingehalten wurden und für das Krankenhaus eine Infektion unvermeidbar war. In diesen Fällen bestehen gute Chancen, das Krankenhaus erfolgreich in Haftung zu nehmen.

 

Jedenfalls sollte bei einer Infektion, die man augenscheinlich im Krankenhaus erworben hat, die Angelegenheit genau geprüft werden, denn es besteht eine realistische Chance für den Patienten auf Schadensersatz.