Einschätzung zum Hepatitisskandal in Donauwörth


Im Oktober 2018 wurde der Fall eines medikamentenabhängigen und mit Hepatitis-C infizierten Anästhesisten bekannt, der bis zum Frühjahr 2018 im Klinikum Donauwörth tätig war. Das Gesundheitsamt hat alle Patienten, an deren Behandlung der Arzt beteiligt war, aufgefordert sich auf den Erreger testen zu lassen. Für die Opfer stellen sich natürlich neben der Frage einer schnellen Behandlung auch Fragen der rechtlichen Verfolgung.

 

Gegen wen haben die Opfer möglicherweise Ansprüche?

In der Regel wird ein Behandlungsvertrag mit dem Klinikum zustande gekommen sein. Hieraus haftet die Klinik auch dafür, dass es nicht zu einer Ansteckung mit einem gefährlichen Erreger kommt. Da die Klinik den Arzt zur Erfüllung des Vertrages eingesetzt hat, muss sie sich dessen Verhalten zurechnen lassen. Ein vorwerfbares Fehlverhalten des Arztes liegt nahe. Eine Übertragung von Hepatitis ist nur über das Blut möglich. Bei Einhaltung der üblichen Hygiene-Standards kann es nicht zu einer Ansteckung kommen.

 

Auch Ansprüche gegen den Arzt selbst kommen in Betracht. Dieser haftet den Opfern aufgrund seines schuldhaften Verhaltens aus sog. unerlaubter Handlung. Ein fahrlässiges Verhalten würde hierfür bereits genügen.

 

Beteiligung am Strafverfahren?

Denkbar ist auch, dass die Opfer sich am Strafverfahren beteiligen. Als Nebenkläger haben sie die Möglichkeit, auf den Strafprozess Einfluss zu nehmen. Zudem können auch direkt in diesem Verfahren Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden.

 

Sehen die Opfer auch Geld, wenn ein Anspruch gesichert ist?

Die zivilrechtliche Schadensregulierung wird wohl maßgeblich von der Haftpflichtversicherung des Klinikums vorgenommen. Damit ist dann auch gesichert, dass, besteht ein Anspruch, eine Regulierung und eine Geldzahlung erfolgen werden. Streitpunkt wird dann regelmäßig sein, in welcher Höhe Ansprüche berechtigt sind. In Betracht kommen Ansprüche auf ein Schmerzensgeld sowie Ansprüche wegen der Kosten die die Erkrankung tatsächlich verursacht, etwa Fahrtkosten, Zuzahlungskosten oder Ähnliches.

 

Alles in allem ist den Opfern jedenfalls zu empfehlen, sich in der Angelegenheit rechtlich vertreten zu lassen.

  

Quelle:  Schwäbische Nachrichten & Aula Augsburger Land und Leute, Dezember 2018, S. 13